Und jetzt soll der Rettungsschirm sich selber machen können

Zur Zeit wird heftig um den Europäischen Rettungsschirm gestritten. Weil die Aufhebelung der European Financial Stability Facility (EFSF) von 440 Milliarden auf 2,5 Billionen (mehr dazu hier) offenbar nicht zustande kommen will, wird jetzt über eine Banklizenz für den EFSF diskutiert. Deutschland wehrt sich noch dagegen und wird sich möglicherweise durchsetzen.
Eine Banklizenz bedeutet, dass der EFSF die Mittel, die er den Staaten zur Rettung der europäischen Banken zur Verfügung stellen muss, selber schöpfen kann und nicht bei den Banken um entsprechende Kredite ersuchen muss.

Einfach so darf der EFSF natürlich kein Geld herstellen. Dazu muss er, der bisher über keine Mittel verfügt, ein Konto bei der Europäischen Zentralbank führen und liquide Mittel deponieren. Ich wollte wissen wieviel denn nötig wären, um die gewünschten 2,5 Billionen zu erreichen und bin bei der EZB erst einmal abgeprallt. Dies sei eine «hypothetische Frage», meint Angela Gaviria, eine der Press Officers der EZB. Einverstanden. Aber die hypothetische Frage könnte schon an diesem Wochenende Realität werden. Auf jeden Fall wird am nächsten Gipfel über die Banklizenz diskutiert werden und da müssen die Konditionen bekannt sein.

Zur Erinnerung: In der EU gilt ein Mindestreservesatz von 2 Prozent, in der Schweiz sind es 2,5 . Die Banken müssen zur Absicherung der von ihnen gewährten Kredite mindestens 2 Prozent halten, im Falle des Rettungsschirms von 2,5 Billionen wären dies 50 Milliarden.
Angela Gaviria wünschte eine schriftliche Formulierung der Frage. Die ist jetzt unterwegs, und die Antwort wird an dieser Stelle unverzüglich publiziert.

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14:51: Und hier ist die Antwort (bitte selber schlau werden):

Dear Christoph,

I interpret from your question that you would like information on how the ECB’s collateral rules work. For this information, please see chapter 6 of our General Documentation in http://www.ecb.int/pub/pdf/other/gendoc2011en.pdf.

Regards,
Angela Gaviria, European Central Bank. Office: +49 (69) 1344 8035

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Weitere interessante Informationen zur Hebelung der EFSF:

Hebeldiskussion verdrängt eigenliche Probleme
Wirtschaftsprofessor benennt Geburtsfehler des Rettungsfonds
Rudolf Hickel im Gespräch mit Dirk Müller

«Der Zusammenhang von Hebel und Risiko ist eine der ersten Lehren der Finanzkrise», sagt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret in einem Artikel in der Welt: Bundesbank kritisiert EU-Gipfel

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