Mit «Phoenix» in die Asche

Der «Economist» wusste schon vor dreissig Jahren, dass in den kommenden Jahren eine neue Weltwährung eingeführt wird.

«In dreissig Jahren werden Amerikaner, Japaner, Europäer und Menschen in vielen anderen reichen und auch vergleichsweise armen Ländern ihre Einkäufe in ein und derselben Währung bezahlen. Die Preise werden nicht in Dollars, Yen oder D-Mark angegeben, sondern beispielsweise in «Phoenix». Der «Phoenix» wird von Unternehmen und Konsumenten bevorzugt, weil er viel praktischer ist als die heutigen nationalen Währungen, die dannzumal als altertümliche Ursache für die Zerrüttung der Wirtschaft im 20. Jahrhundert erscheinen werden. Zu Beginn des Jahres 1988 scheint dies eine haarsträubende Vorhersage zu sein.»

Das war vielleicht vor 28 Jahren «haarsträubend», als der Economist die Vorhersage in einer Titelgeschichte publizierte; aber heute scheint sie sich zu bewahrheiten. Bereits 2009 autorisierte der G 20-Gipfel den IWF, 250 Mrd. in «Sonderziehungsrechten» (eine synthetische Verrechnungswährung für den Gebrauch zwischen Zentralbanken) in Umlauf zu bringen. Damit, schrieb die englische Zeitung Telegraph damals, würde «de facto eine Weltwährung ins Spiel gebracht».

Die Vorhersage des «Economist» basierte entweder auf Glück, profunder Analyse – oder der langfristige Plan war schon damals in seinen Grundzügen bekannt. Denn dass die Dominanz der Finanzströme über die Handelsströme zu einer Auflösung der nationalen Souveränität und zu wachsender Instabilität der Währungen führen würde, war dem Economist schon damals bewusst. Bereits seit dem Ende der 1970er Jahre wurde in den Thinktanks über die Einführung einer weltweiten Einheitswährung nachgedacht. Warum sollten nicht auch Pläne dafür geschmiedet worden sein?

Der Artikel des Economist von 1988 liefert auch das Hauptargument, mit dem in ein bis zwei Jahren eine Einheitswährung eingeführt werden soll: «Die Abwesenheit aller Währungsrisiken wird Handel, Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen beflügeln.» Ganz kostenlos wird die heile neue Welt der globalen Einheitswährung allerdings auch in den Augen des Economist nicht sein: «Die Phoenix-Zone wird den nationalen Regierungen strenge Auflagen machen. So wird es zum Beispiel keine nationale Geldpolitik mehr geben. Die Versorgung mit «Phoenix» wird durch eine neue Zentralbank sichergestellt, die vermutlich aus dem Int. Währungsfonds entstehen wird. … Jedes Land könnte Steuern und öffentliche Ausgaben dazu einsetzen, den Nachfragerückgang auszugleichen. Aber es müsste sich Geld leihen anstatt es zu drucken, um sein Budgetdefizit zu finanzieren. … Merken Sie sich den Phoenix für 2018 vor und heissen Sie ihn willkommen, wenn er da ist.»

Um die Ungeheuerlichkeit dieser plausibel klingenden Vision zu erkennen, muss man das Geldsystem in seinen Grundfunktionen verstehen. Geld ist in seinem Wesen ein Anrecht zum Bezug eines Anteils an der volkswirtschaftlichen Produktion. Wer es schöpft, schafft Bezugsrechte, und wer es als erster erhält, kann sich bevorzugt bedienen. Im geltenden System ist alles Geld Kredit. Es fliesst vor allem an die, welche schon genügend davon haben oder die politischen, wirtschaftlichen oder militärischen Druck ausüben können. Und es vermehrt sich in ihren Händen und führt zu einer fortschreitenden Verschuldung. Es ist im Kern das Konzept der «Leitwährung», mit dem sich die Nazis 1940, angesichts des bevorstehenden Sieges, die besiegten Nationen wirtschaftlich unterwerfen wollten. Es ist das Konzept, das die USA 1944 mit den Verträgen von Bretton Woods schliesslich durchsetzten, damit den Dollar zur Leitwährung machten und sich selber die Möglichkeit schufen, praktisch unbegrenzt Dollar zu drucken und damit die Ressourcen anderer Länder aufzukaufen – gewissermassen mit Kredit, der «nie» zurückbezahlt werden muss.

Genauso wie die nationalen Währungen auf Basis der Kreditvergabe der privaten Banken zu einer flächendeckenden Überschuldung führten, wird auch eine Weltwährung mit Namen «Phoenix» in Verschuldung und Beschlagnahmung enden. Denn bei dieser Form der (privaten!) Geldschöpfung durch die Banken entsteht neben einem gleich bleibenden Guthaben immer auch eine Forderung, die mit der Zeit wächst – eine Asymmetrie, für die es keine Lösung gibt. Die unlösbaren Probleme des Euro – ein Währungsraum für unterschiedliche Volkswirtschaften – werden sich mit dem Phoenix weltweit verbreiten und unbeschreibliche Zustände nach sich ziehen. Der Phoenix mag vielleicht aus der Asche steigen, aber die Menschheit wird in ihr versinken.

Vermutlich wird das Weltgeld nicht Phoenix heissen. Aber es wird mit Sicherheit dazu dienen, die ungerechten Vermögens- und Einkommensverhältnisse zu erhalten und auszubauen, die sich aufgrund der zwingenden Mechanik unseres Geldsystems in den letzten Jahrzehnten massiv verstärkt haben. Aus meiner Sicht, gibt es nur einen Weg, eine derartige globale Finanzdiktatur zu verhindern: das Geld verstehen und die direkte Demokratie ausbauen.

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Mehr dazu in «Das nächste Geld – die zehn Fallgruben unseres Geldsystems und wie wir sie überwinden». Edition Zeitpunkt, 2. Aufl. 2016. 252 S., Fr. 23.–/€ 21.–.

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