Das Nationalbank-Geld wirkt: Gute Geschäfte im schlechten Umfeld

Seit dem Jahrestief am 9. August sind die Aktien an der Schweizer Börse um mehr als 20 Prozent gestiegen, trotz schlechter Aussichten, schwieriger globaler Wirtschaftslage und grosser Probleme im Euroraum. Wie ist so etwas überhaupt möglich?

«Die Wirtschaftsdaten speziell in den Vereinigten Staaten [sind| weniger schlimm als befürchtet ausgefallen», sagt zum Beispiel Philipp Bärtschi, Chefstratege bei der Bank Sarasin.
Was sagt der Mann genau? Schlechte Wirtschaftsdaten haben eine positive Wirkung, weil sie weniger schlecht sind als erwartet! Das kann doch nicht sein Ernst sein.

Auffallend ist die positivere Entwicklung der Schweizer Börsen im Vergleich zu den ausländischen. Bärtschi erklärt dies mit derselben Unlogik: Durch die Abwertung des Schweizer Frankens hätten die Auslandumsätze der Schweizer Firmen gewissermassen einen höheren Wert erreicht, was sich positiv auf die Gewinnentwicklung auswirke.
Aber: Der Franken ist mit einem Kurs von 1.20 zum Euro realwirtschaftlich gesehen immer noch zu hoch bewertet. Warum um Himmels willen sollen schlechte Rahmenbedingungen zu einem kleinen Aktienboom führen, nur weil sie ein bisschen weniger schlecht geworden sind. Das sind Erklärungen für Menschen, die nichts denken beim Lesen.

Über die Gründe für die Hausse kann man leider nur spekulieren. Aber der Verdacht liegt nahe, dass die Verdreifachung der Nationalbank-Geldmenge zwischen Ende Juli und Ende August und vor allem die Frankenschwächung ab dem 6. September das Geld geschaffen haben, das in die Aktien geflossen ist.

Leider weiss nicht einmal die Börse, woher die Käufer von Schweizer Aktien stammen. Eine genaue Beschreibung des Vorgangs ist deshalb nicht möglich. Die plausibelste Erklärung ist die:
• Die Nationalbank stellt den Banken über sog. Devisen Swaps zum Negativzins Schweizer Franken im Tausch gegen Euro zur Verfügung. (Regime zwischen Ende Juli und anfangs September)
• Die Nationalbank kauft von Hedge Funds und Banken Euro mit neu geschaffenen Schweizer Franken (Regime ab dem 6. September)
• Die Banken und Hedge Funds investieren ihre Franken umgehend in Schweizer Aktien, die Kurse steigen.

Die wahrscheinliche Fortsetzung sieht so aus: Die Banken und Hedge Funds realisieren ihre Gewinne und steigen wieder aus. Die Kurse fallen, und zwar unter den Punkt vor dem virtuellen Mini-Boom. Dieser Prozess hat bereits eingesetzt.
Der weitere Verlauf hängt massgeblich vom Umfeld ab, d.h. vom Euro und der sich entfaltenden Bankenkrise in den USA. Auf jeden Fall hat sie nichts mit der Realwirtschaft zu tun – mit einer Ausnahme: Wir dürfen am Schluss die Rechnung bezahlen.

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