Der Austritt Griechenlands: unumgänglich, riskant und sehr teuer

«Strategic Forecast» (Stratfor), ein der CIA nahestehender US-ThinkTank mit hervorragenden Verbindungen zu den globalen Massenmedien hält den Austritt von Griechenland aus der Eurozone für unumgänglich. Die Kosten dieser Operation, die den Euro retten soll: zwei Billionen Euro.

Die Einschätzungen von Stratfor sind mit Vorsicht zu geniessen. Einerseits sind sie getrübt von den von strategischen Zielen der Sponsoren des Instituts und deshalb gelegentlich auch falsch. So bezeichnet Stratfor das europäische Bankensystem als «the most damaged banking system in the world». Das ist natürlich falsch. Das höchst verschuldete Land sind die USA und kein Bankensystem ist so verseucht mit windigen Papieren, Spezialgesellschaften (z.B. bad banks) und Luftgeld der Zentralbank wie das amerikanische. Der einzige Vorteil des Dollars ist seine Verbreitung. Von der chinesischen Staatsbank mit drei Billionen Dollar im Keller bis zur kleinen Wechselstube in Namibia: Keine Währung ist so verbreitet, und deshalb dürfte die Welt bis zum absoluten Geht-nicht-mehr an ihr festhalten.
Andrerseits: Die Stratfor-Analysen werden von den Weltmedien verbreitet, zitiert und vor allem: befolgt. Wenn Stratfor also den Austritt Griechenlands aus der Eurozone als unausweichlich bezeichnet, wird er höchstwahrscheinlich auch erfolgen.

Was man von den Amerikanern trotz allem lernen kann: Die Burschen denken strategisch und sie ziehen ihr Ding durch. In der schweizerischen Bankenwelt und Politik ist der Kollaps des Euro dagegen nicht einmal ein offizielles Diskussionsthema, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Wo sind die Strategien für ein solches Szenario? Wenn die halbe Welt von einem Austritt Griechenlands spricht und horrende Kosten zu erwarten sind, wenn der Euro selbst wankt, dann sollten die Verantwortlichen im Land ziemlich genau wissen, was in diesem Fall zu tun ist, selbst wenn er nicht eintritt. Sonst wird uns wahrscheinlich wieder die Rechnung für irgendeine Rettung präsentiert. Und die wird nicht so billig sein, wie die für die UBS vor drei Jahren.

Ich werde mich nächste Woche in den Schubladen der zuständigen Behörden nach Krisenszenarien umsehen und Ihnen an dieser Stelle berichten, was ich gefunden habe. Man darf gespannt sein.
Details zum Krisenszenario von Stratfor auf deutsch: http://www.bild.de/politik/ausland/euro-krise/us-geheim-bericht-griechenland-pleite-kostet-2-billionen-euro-20234220.bild.html

Der «Geheimbericht», von dem die Bild-Zeitung schreibt, ist keineswegs geheim. Jedermann erhält ihn auf Bestellung und gegen Hinterlegung der e-mail-Adresse bei Stratfor: http://www.stratfor.com/memberships/202511/analysis/20110927-navigating-eurozone-crisis

 

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