Es wird gestern geschehen

Es gibt nicht mehr viel zu entscheiden. Die Datenstaubsauger sind da, die Algorithmen funktionieren und die Masse macht mit.
Wenn wir nicht Inder, Chinese oder Amerikaner sind oder etwas Verrücktes tun, merken wir im Alltag noch nicht viel davon. Aber alles ist da, um uns «ins System zu bringen», wie sich PayPal-Chef Dan Schulman ausdrückte. Der Eingang in dieses System ist praktisch und angenehm. Weiterlesen

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Der Generationenvertrag bricht

Er hat alle Umwälzungen überlebt. Aber schon bald wird der Generationenvertrag ­Geschichte sein – und vielleicht selber eine Revolution auslösen.

Der Grundsatz blieb immer derselbe, auch wenn sich die Details im Lauf der Zeit ständig änderten: Die Erwachsenen sorgen für die Kinder, wenn sie klein und hilflos sind. Dafür schauen diese als Erwachsene zu den Alten, wenn Hilfe nötig ist.
Dieser Vertrag wird nicht gebrochen, er bricht. Er zerfällt unter der Last von mindestens drei historischen, schwer zu bändigenden Kräften: der demografischen Entwicklung, der Verschuldung und der Beschleunigung. Weiterlesen

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Nur zusammen sind wir ganz

«Mit zwanzig regiert der Wille, mit dreissig der Verstand und mit vierzig das Urteilsvermögen», schrieb Benjamin Franklin. Über die Jahrzahlen kann man diskutieren. Mein eigenes Urteilsvermögen zum Beispiel ist manchmal immer noch zu jugendlich und richtet sich nach dem Willen und nicht der Erfahrung.
Aber Benjamin Franklin zeigt in einem einfachen Satz, dass alt und Jung weit mehr verbindet als ein wackeliger Generationenvertrag. Wir sind eigentlich erst dann ganz, wenn wir gleichzeitig jung und alt sind und den Willen, den Verstand und die Erfahrung gemeinsam regieren lassen. Weiterlesen

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Die vernichtende Chance

Nein, «ein starkes Zeichen für die Vollgeld-Initiative» war das nicht,

wie die Initianten in ihrer Medienmitteilung unmittelbar nach der Abstimmung behaupteten. 24 Prozent Zustimmung für ein Anliegen, das gemäss SRG-Umfrage rund 60 Prozent der Stimmbürger grundsätzlich bejahen – Geldschöpfung ausschliesslich durch die Nationalbank – das ist ein vernichtendes Resultat.
Nicht einmal Forderungen nach sanfteren Formen der Geldreform kann man mit derart schwacher Unterstützung im Stimmvolk stellen. Ein Drittel Ja-Stimmen wären dazu nötig gewesen, auch als Signal an die Kandidatinnen und Kandidaten der eidgenössischen Wahlen vom nächsten Jahr, dass mit Anliegen der Geldreform durchaus Stimmen zu holen sind.
Für die internationale Bewegung der Geldreform ist die markante Ablehnung ebenfalls nicht ermutigend, aber hoffentlich erkenntnisreich.

Was ist falsch gelaufen? Natürlich war der Gegner übermächtig. Die Banken sind durch ihre finanzielle Unterstützung der politischen Parteien und mit ihrem riesigen Anzeigenvolumen in den Medien in einer nur schwer zu knackenden Position: Wer zahlt, befiehlt – auch in einer direkten Demokratie.
Die Politiker haben denn auch grösstenteils die Kampfbegriffe der Gegenkampagne übernommen, die Medien haben brav mitgespielt und damit die Debatte auf ein Feld gezogen, wo die Initiative in der Defensive war und nur noch verlieren konnte.
Die Initiative, die angetreten war, das Geld sicher zu machen, erschien selber als Experiment mit unsicherem Ausgang.

Über das Geldschöpfungsprivileg der Banken ohne gesetzliche Grundlage wurde nicht gesprochen. Und schon gar nicht darüber, dass Sicherheit das Ergebnis von Gerechtigkeit ist, und nicht deren Voraussetzung. Wenn dem so wäre, müssten Polizeistaaten Vorbilder der Gerechtigkeit sein.

Natürlich kann man sich beschweren über die irreführende Kampagne der Gegner, vor allem von Behörden wie der Nationalbank und dem Eidg. Finanzdepartement, die zur Zurückhaltung verpflichtet sind. Schliesslich müssen sie den Volkswillen umsetzen, nicht formen.
Dass sich das Bundesgericht zu den Halbwahrheiten aufgrund einer Beschwerde äussern muss, ist zu begrüssen. Aber viel erwarten darf man vom Richterspruch nicht.
Auch die Rücktrittsforderungen an Thomas Jordan kommen zum ungünstigsten Zeitpunkt, nachdem er sich gerade als Hüter der privaten Geldschöpfung mit staatlicher Garantie bestens bewährt hat.

Auch wer gegen einen starken Gegner verliert, muss seine eigene Strategie hinterfragen und darf nicht von einem «Achtungserfolg» sprechen; denn das bedeutet nichts anderes als «weiter so».
Zugegeben: die Voraussetzungen für einen Erfolg der Vollgeld-Initiative waren ausserordentlich ungünstig. Die Geldschöpfung der privaten Banken durch die Kreditvergabe ist ein Mirakel, das selbst viele Ökonomen und Banker und fast alle Politiker nicht verstehen können oder wollen.
«Der Vorgang, mit dem Banken Geld erzeugen, ist so simpel, dass der Verstand ihn kaum fassen kann, sagte der bedeutende US-Ökonom John Kenneth Galbraith. Und, wie der Schriftsteller Upton Sinclair schrieb, «es ist schwierig, einen Menschen dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht.»
Noch komplexer sind die Folgen, wenn Banken für ihre Kredite Geld aus dem Nichts schöpfen, aus denen dann nicht einmal reale Wertschöpfung entsteht.

In diesem Minenfeld des politischen Bewusstseins im ersten Anlauf einen Erfolg zu erwarten, der doch einiges an kollektiver Verstandesleistung voraussetzt, ist vermessen.

Anstatt auf den Erfolg zu schielen und die schlafenden Hunde des Gegners nicht zu wecken, hätte man den Banken von Beginn weg offensiv begegnen und sie an ihren schwächsten Stellen treffen sollen: ihrer Glaubwürdigkeit und ihren Privilegien.
Und anstatt dem Stimmvolk das zu versprechen, was es gemäss Marktforschung hören wollte – sicheres Geld – hätte man von Anfang an die krasse Ungerechtigkeit der privaten Geldschöpfung aus dem Nichts ins Zentrum der Kampagne stellen sollen.

Wir arbeiten hart, die Banken drücken ein paar Knöpfe und können mit dem selbstgebastelten Luftgeld sogar noch bezahlen – das kann es doch nicht sein.

Das hat beträchtliches Empörungspotenzial, ohne dass keine Volksabstimmung zu gewinnen ist.

Betroffen von der Vollgeld-Initiative waren vor allem die beiden Grossbanken, die 48 Prozent des privaten Geldes produzieren und rund 90 Prozent des Geldes in die Finanzwirtschaft anstatt in die Wertschöpfung leiten.
Die kleineren Banken finanzieren vor allem Hypotheken und KMUs und damit die Realwirtschaft. Die Grossbanken sind damit für mindestens zwei Drittel des Geldproblems verantwortlich.
Aber hat man die Vertreter der UBS und der Credit Suisse je an Debatten getroffen? Bis auf ein paar Ausnahmen haben sie andere vorgeschickt: Politiker, Mitglieder von Behörden und Vertreter von kleinen Banken stellten sich in den Ring und erweckten den Anschein, als richte sich die Vollgeld-Initiative gegen sie. Das hätte das Initiativ-Komitee frühzeitig erkennen und die Gegner teilen müssen.

Natürlich ist es leicht, hinterher alles besser gewusst zu haben. Mein eigenes Engagement in der Allianz für Vollgeld und Gerechtigkeit, war ja auch nicht erfolgreich – zu spät, zu schwach, zu wenig konsequent. Gut gestartet, vielleicht sogar etwas überheblich, bin ich gegen Ende regelrecht müde geworden.
Schwer verdaulich war für mich vor allem das Schweigen all der NGOs, die sich für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit einsetzen. Aber auch die funktionieren schon ähnlich wie Geld, das jedermann haben, aber niemand geben will.

Die NGOs wollen alle Unterstützung, aber selber unterstützen – nein danke!

Schon die Weiterleitung von Informationen über die stop fake money-Kampagne war ihnen zu viel. Mit dieser Haltung werden wir bestenfalls unseres eigenes Gärtchen pflegen, aber nicht den Bulldozer der Finanzwirtschaft aufhalten können.

Wie müsste es weitergehen? Faktisch ist die Geldreform wieder auf Feld eins. Das heisst: Wir müssen schauen, welche Spieler noch da sind und wieviele es braucht, um ein neues Spiel zu eröffnen.
Konkret: Nicht für jede Reform-Idee eine neue Trägerschaft bilden, sondern die Kräfte in einer grösseren Bewegung für Geldreform sammeln, unterschiedliche Meinungen zulassen, in einer offenen Debatte Schwerpunkte setzen und sich vor allem fit machen, die Chance der nächsten Krise gut vorbereitet zu nutzen.

Denn sie wird kommen und darüber entscheiden, wer in der Zukunft das Sagen hat: die Menschen oder das Geld.

Dann wird die vernichtende Niederlage zur historischen Chance.

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Der ETH ist Fake Science gut genug – wenn es um Vollgeld geht

Vor kurzem machte eine dubiose Vollgeld-Umfrage einer respektablen Institution die Runde durch die Medien:

Gemäss einer Erhebung der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich KOF lehnen «77 Prozent der befragten Ökonomen … die Vorlage ab», sagte die Tagesschau des Schweizer Fernsehens vom 15. April. Die Aussage ist falsch. Fast so irreführend war schon die Medienmitteilung der KOF. Dort heisst es «Drei Viertel der Umfrageteilnehmer sprechen sich gegen die Initiative aus.»

Was ist Fakt? Befragt hatte die KOF 748 «Forschungsökonomen», also Ökonomen, die mindestens einmal in einer Fachzeitschrift publiziert hatten. Geantwortet haben allerdings nur 103. Und von diesen lehnten 79 die Vollgeld-Initiative ab.

Die richtige Feststellung hätte also gelautet: «10,65 Prozent der befragten Ökonomen lehnen die Vollgeld-Initiative ab.» Um das Resultat für die Gegner der Initiative ein bisschen besser aussehen zu lassen, hätte man auch schreiben können, drei Viertel der Ökonomen, die auf die Umfrage antworteten, lehnen die Initiative ab. Ohne Nennung der grossen Mehrheit von 86 Prozent, die auf die Umfrage nicht antworteten, wäre das aber bereits manipulativ gewesen.

Als eindeutig manipulativ muss man auch die Fragestellung bezeichnen. Die KOF, immerhin eine wissenschaftliche Institution, stellte den Ökonomen zuerst folgende Frage:
«Was ist Ihre generelle Einschätzung der ‹Vollgeld-Initiative›: Sind Sie generell für die Initiative, stehen Sie ihr neutral gegenüber oder lehnen Sie sie ab?»

Wenn man weiss, dass die Theorie der Geldschöpfung an den meisten Universitäten nicht gelehrt wird, selbst von hochrangigen Bankern nicht verstanden wird und von den meisten Medien nur verkürzt dargestellt wird, kann man auch von den Ökonomen nicht von vornherein ein eigenständiges Verständnis von wissenschaftlichem Wert erwarten, sondern eher die ungenaue Wiedergabe einer einmal gehörten Meinung.
Ich habe persönlich mit vielen Ökonomen über das Thema gesprochen und kann feststellen, dass sie zwar wissen, wie Geld eingesetzt, verbucht und verwaltet wird, aber nicht, wie es entsteht.

Die KOF hätte also etwa folgendermassen fragen müssen:
Wie beurteilen Sie die Kreditgeldschöpfung durch die privaten Banken mit einer Mindestreserve von 2,5 Prozent? Sind Sie generell dafür, stehen Sie dem Mechanismus neutral gegenüber oder lehnen Sie ihn ab?

Nächste Frage zum «Ausfallrisiko heute»
«Im heutigen System unterliegen die Giroguthaben des Publikums durch Zahlungsunfähigkeit einer Bank einem Ausfallrisiko, das in einem Vollgeld-System gebannt sein sollte. Wie hoch schätzen Sie im aktuellen System dieses Ausfallrisiko ein?» (Zur Auswahl standen fünf Meinungen zwischen «kein Risiko» und «sehr hoch»)

Die Möglichkeitsform – das Ausfallrisiko sollte in einem Vollgeld-System gebannt sein – ist eindeutig manipulativ. Im Vollgeld-System sind die Giroguthaben ausserhalb der Bankbilanz und damit vor Pleiten hundertprozentig sicher – ohne Wenn und Aber.

Eindeutig Widersprüchlich sind die Aussagen zur Stabilität. Die Mehrheit der Forschungsökonomen beurteilt das Ausfallrisiko gemäss KOF als sehr niedrig oder niedrig. Die Aussage steht im Widerspruch zum Resultat auf die letzte Frage der Erhebung zur allgemeinen Bewertung der Finanzstabilität. Immerhin die Hälfte der Umfrageteilnehmer beurteilt nämlich die gegenwärtigen regulatorischen Massnahmen zur Sicherung der Finanzstabilität als nicht hinreichend.

Eine Erklärung für den Widerspruch liefert die KOF nicht. Sie könnte genauso gut in einer Voreingenommenheit gegenüber der Vollgeld-Initiative liegen wie in einem Unverständnis der Sachlage.
Wer auf dieselbe Frage einmal mit Ja und einmal mit Nein antwortet, hat mindestens einmal nicht die Wahrheit gesagt. Und wer einmal lügt, …

Die Frage nach der «Unabhängigkeit der SNB» enthält wiederum eine eindeutige Falschinformation:
«Im vorgeschlagenen Vollgeld-System soll Geld ohne den Erwerb von Wertpapieren oder der Gewährung von gesicherten Krediten [stimmt nicht!] als Transfer an Bund/Kantone oder Bürger in Umlauf gebracht werden. Kritiker argumentieren, dass die Zuteilung von neuem Geld direkt an den Staat oder die Haushalte die Unabhängigkeit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) untergraben würde. Andere sehen darin kein Problem, da die Nationalbank selbst festlegt, wie viel Vollgeld sie in Umlauf bringt. Wie schätzen Sie die Gefahr für die Unabhängigkeit der SNB ein?»

Die Frage ist eine juristisch-politische, keine ökonomische, in der das Fachwissen von Ökonomen irgendeine Rolle spielen könnte. Sie zielt auf eine Bekräftigung des von den Vollgeld-Gegnern laufend wiederholten Vorurteils, dass eine durch das Vollgeld gestärkte Nationalbank gleichzeitig ihre Unabhängigkeit verlieren könnte – im expliziten Gegensatz zum vorgeschlagenen Verfassungstext (Art 99a, Abs. 6).
Die absolute Mehrheit der Forschungsökonomen beurteilt die Gefährdung der Unabhängigkeit der Nationalbank denn auch als hoch oder sehr hoch. Was die Ökonomen damit implizit auch sagen: Die Verfassung wird wohl gebrochen werden. Übrigens verteilt die Nationalbank jetzt schon Milliarden an die Kantone, ohne dass deswegen ihre Unabhängigkeit in Frage gestellt wird.

Wollte die Konjunkturforschungsstelle der ETH wirklich wissen, was die Ökonomen von der Geldschöpfung und der Vollgeld-Initiative halten oder ging es vielmehr darum, einen Aufhänger zu produzieren, um gegen die Vollgeld-Initiative Stimmung zu machen?
Ein Hinweis auf die Lauterkeit der KOF und ihre Unabhängigkeit liefert die Verwendung von Kampfbegriffen der Vollgeld-Gegner. Diese behaupten immer wieder, die Banken könnten im Vollgeld-System Kredite nicht mehr «mit Buchgeld finanzieren». Das klingt nach Aufwand und einer seriösen Transaktion.
In Tat und Wahrheit werden die Kredite nicht «finanziert». Der kreditierte Betrag wird vielmehr per Knopfdruck und Unterschrift auf das Konto des Kreditnehmers gebucht – aus dem Nichts, bzw. mit einer Mindestreserve von 2,5 Prozent.

Dafür den Begriff «Finanzierung» zu verwenden, ist zu 97,5 Prozent falsch. Aber genau das tut die KOF, wenn sie gegenüber den Ökonomen in der Frage nach den Kreditkosten behauptet, «in einem Vollgeld-System könnten Banken Kredite nicht mehr finanzieren, indem sie Buchgeld schaffen».

Entweder hat sich die KOF gedankenlos aus dem tendenziösen Begriffskatalog der Vollgeld-Gegner bedient oder sie hat in ihrem Auftrag gehandelt. Beides ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch eine Zweckentfremdung öffentlicher Gelder zur Verteidigung der Interessen der privaten Banken.
Besonders bedenklich ist, dass die Mainstream-Medien, die sich gerne als vierte Gewalt im Staat und als Kämpfer gegen Fake News verstehen, solche Fake Science kommentarlos durchgehen lassen.

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KOF/SRF-Ökonomenumfrage zur Vollgeld-Initiative: Mehrheit der Ökonomen lehnt Initiative ab
15.04.2018 | Medienmitteilung

Am 10. Juni 2018 stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Volksinitiative «Für krisensicheres Geld: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank!» (Vollgeld-Initiative) ab. Die KOF hat in Zusammenarbeit mit SRF Forschungsökonominnen und -ökonomen in der Schweiz befragt, wie sie die Initiative beurteilen. Die Umfrageteilnehmer lehnen diese mehrheitlich ab, sie sehen allerdings dennoch Handlungsbedarf bei der Finanzstabilität.
In Zusammenarbeit mit SRF hat die KOF eine Umfrage bei den in der Schweiz ansässigen Forschungsökonomen zur «Vollgeld-Initiative» und darüber hinaus zur Sicherheit des Finanzsystems durchgeführt. Die Umfrage bestand insgesamt aus sieben Fragen. Wie sich zeigt, lehnt eine Mehrheit der befragten Ökonominnen und Ökonomen die Initiative ab.

Die Resultate der Umfrage
Wie aus den Antworten der über 100 Teilnehmer der Umfrage ersichtlich wird, lehnen die befragten Ökonominnen und Ökonomen die Initiative mehrheitlich ab: Drei Viertel der Umfrageteilnehmer sprechen sich gegen die Initiative aus.
Mit einem Vollgeld-System würde das Ausfallrisiko der Giroguthaben verschwinden. Allerdings sehen die Umfrageteilnehmer hier wenig Handlungsbedarf. Auf die Frage, ob derzeit ein solches Ausfallrisiko hoch sei, geben die befragten Ökonomen mehrheitlich eine negative Antwort. Die Mehrheit der antwortenden Ökonomen bewertet das Ausfallrisiko als sehr niedrig oder niedrig.
Die Vollgeld-Initiative möchte die Schaffung von Geld und die Kreditvergabe voneinander trennen. Die befragten Ökonominnen und Ökonomen sind mehrheitlich skeptisch, dass dies auch eine effektive und geeignete Massnahme ist, die Finanzstabilität zu erhöhen.
Über 50% der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass mit einem Vollgeld-System die Kreditkosten steigen würden.
Bei der Frage nach den Auswirkungen einer Annahme der Initiative auf die Unabhängigkeit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) schätzt eine Mehrheit der Ökonomen die Gefahr für die Unabhängigkeit der SNB als real ein. Fast ein Drittel der Befragungsteilnehmer sieht es sogar als sehr wahrscheinlich an, dass die Unabhängigkeit der SNB leidet.
Deutlich fällt auch das Verdikt bezüglich des Risikos eines Systemwechsels aus. Rund 70% beurteilen dieses als hoch oder sehr hoch.
Ebenfalls interessant ist die Beurteilung der letzten Frage zur allgemeinen Bewertung der Finanzstabilität. Obwohl die Mehrheit der Ökonomen die Initiative ablehnt, beurteilt die Hälfte der Umfrageteilnehmer die gegenwärtigen regulatorischen Maßnahmen zur Sicherung der Finanzstabilität als nicht hinreichend an.

Resultate im Einzelnen

 

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Viele Halbwahrheiten und eine politische Lüge

Ein Medienseminar wie das der Eidg. Finanzverwaltung zur Vollgeld-Initiative darf nicht Sitte werden.

Die privaten Banken sollen kein eigenes Geld mehr schöpfen dürfen. Dies ist das Kernanliegen der Vollgeld-Initiative, die am 10. Juni zur Abstimmung kommt. Den Abstimmungskampf führen aber nicht die Banken, sondern die economie suisse, die Nationalbank und die Bundesbehörden selber. Es ist das gute Recht der Regierung, eine Vorlage, die ihr unvernünftig scheint, abzulehnen und ihre Gründe darzulegen. Aber wenn sie sich dabei auf das Argumentarium der Banken stützt, stellen sich Fragen der Ausgewogenheit und der Unabhängigkeit. Weiterlesen

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Die erste Bank für die Vollgeld-Initiative: die Freie Gemeinschaftsbank

Die Freie Gemeinschaftsbank in Basel ist die erste Bank, die sich für die Vollgeld-Initiative ausspricht. Die Interessenkonflikte zwischen Grossbanken und kleineren Instituten werden dafür sorgen, dass weitere folgen, vielleicht noch vor der Abstimmung.

Man mag von den Anthroposophen halten, was man will, aber wenn es um Transparenz im Geldwesen und Banking geht, ist ihre «Freie Gemeinschaftsbank» in Basel einsame Weltspitze. Nicht nur war sie die erste Bank im deutschen Sprachraum (und vermutlich auf der Welt), die ihren Kunden die Geldschöpfung aus dem Nichts erklärte (am 17. August 2016, hier Bericht), sie ist jetzt auch die erste Bank, die sich öffentlich, positiv und in klaren Begriffen zur Vollgeld-Initiative äussert. So schreibt Geschäftsleitungsmitglied Jean-Marc Decressonnière in der neusten Ausgabe ihrer Kundenzeitschrift «Transparenz» [sic!], es sei erstaunlich, dass die Bundesverfassung auch nach ihrer Totalrevision vom Jahr 2000 unverändert vom Bargeld geprägt sei und die Geldhoheit des Bundes auf dieses beschränkt bleibe. «Der verfassungsrechtliche Grundsatz, dass das Geldwesen Sache des Bundes sei, ist somit massiv ausgehöhlt.» Weiterlesen

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Vollgeld: Internationale Experten sehen es positiv

So viel Klartext zum Geldsystem hat man an einer öffentlichen Veranstaltung in der Schweiz schon lange nicht mehr gehört, wie am Montag am Gottlieb Duttweiler-Institut (GDI) in Rüschlikon. Aus Anlass der anstehenden Vollgeld-Abstimmung diskutierten Spitzenleute aus der globalen Finanzwirtschaft und Wissenschaft über «Geldschöpfung in der modernen Wirtschaft».

Es ist ein Armutszeugnis für die Diskussionskultur der Schweiz, dass mit Uli Kortsch ein amerikanischer Finanzexperte endlich eine hochkarätige Konferenz zur umstrittenen Frage der Geldschöpfung organisieren musste. Dabei steht mit der Vollgeld-Initiative am 10. Juni eine Vorlage zur Abstimmung, der von Befürwortern wie Gegnern grösste Bedeutung zugesprochen wird und die vom bankennahen Thinktank avenir suisse schon vor der Unterschriftensammlung mit einer kritischen Expertise beehrt wurde. Bis jetzt äusserten sich die Exponenten der Finanzindustrie, die Experten und Initianten vornehmlich an ihren eigenen Veranstaltungen. Es ist dem GDI und den Ko-Organisatoren Global Interdependence Center und CFA Society Switzerland hoch anzurechnen, diskussionsfreudige Fachleute von internationalem Format zur heissen Frage zusammengebracht zu haben: Wer soll unser Geld schöpfen dürfen?
Denn das ist umstritten. Heute werden rund 90 Prozent der Geldmenge M1 von den Banken durch Kreditvergabe in Umlauf gebracht. Ist dieses Geldschöpfungsprivileg neutral – d.h. profitieren alle Bürger gleichermassen davon? – ist es nachhaltig oder führt es zu wiederkehrenden Krisen? Dies sind die zentralen Fragen.
«Das gegenwärtige Finanzsystem stinkt.» Für diese Zusammenfassung der Stimmung im grossen Saal des GDI erhielt Martin Wolf, Bestseller-Autor, Chef-Kommentator der Financial Times und einer der höchstdekorierten Finanzjournalisten der Welt spontanen Szenenapplaus. Der kanadische Ökonom William White, Präsident des «Economic and Development Review Committee» der OECD meinte das Gleiche, drückte sich aber ein bisschen vornehmer aus: «Unser Geldsystem hat versagt.» Weiterlesen

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Thomas Jordan: der nette Freund der privaten Geldschöpfung

Nationalbankpräsident Thomas Jordan hat am Dienstag mit einem Grundsatzreferat zur Geldschöpfung gewissermassen den Abstimmungskampf zur Vollgeld-Initiative eröffnet. Der Referent las seinen Vortrag ab, an dem nicht weniger als sechs Autorinnen und Autoren gearbeitet hatten. Ihre Aufgabe wird es gewesen sein, alle heiklen Fragen der Geldschöpfung aus dem Nichts durch die privaten Banken zu umschiffen. Es ist ihnen gelungen.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Zürcher volkswirtschaftlichen Gesellschaft mussten Besucher abgewiesen werden, so attraktiv war das Thema – «Wie Geld durch die Zentralbank und das Bankensystem geschaffen wird» – oder so kompetent schien der Referent. Aber Thomas Jordan sagte nichts, was eine auch nur oberflächliche Kenntnis der Materie bereichert hätte. Viel entscheidender war, was er nicht sagte. Und darum soll es hier gehen. Weiterlesen

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Warum die Kryptos fallen werden

Zwei gravierende Systemfehler werden dem Bitcoin-Hype ein brutales Ende bescheren. An ihnen zeigt sich beispielhaft, wie Geld nicht sein darf, wenn es seine grundlegenden Funktionen erfüllen soll.

199 Millionen Dollar für zwei Pizzas: So viel bezahlte Laszlo Hanyesz am 22. Mai 2010 für die erste realwirtschaftliche Transaktion, die mit Bitcoin abgewickelt wurde. Die 10’000 Bitcoin, damals 40 Dollar, bei Redaktionsschluss 199 Millionen wert, hatte der Softwareentwickler aus Florida am eigenen Rechner generiert. Auch wer später Bitcoins kaufte, konnte noch von astronomischen Zuwachsraten profitieren. Wer im Februar 2011 bei einem Wert des Bitcoin von einem Dollar einstieg, konnte bis heute eine Wertsteigerung um das 18’700-fache erzielen. Mit der Realität haben solche Wertsteigerungen natürlich nichts zu tun; aber es gibt aufschlussreiche Gründe für diesen Hype. Die Preissteigerungen der sog. Altcoins, wie die Kryptowährungen auch genannt werden, stimmt selbst professionelle Optimisten nachdenklich. Aber noch jetzt gibt es Ausnahmen wie der US-Investor James Altucher, der kürzlich dem TV-Sender CNBC sagte, der Bitcoin könne durchaus noch auf eine Million Dollar steigen.

Das Problem ist, dass Altucher rein theoretisch recht haben könnte. Weiterlesen

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