Vorsicht Statistik: Warum uns das Bruttoinlandprodukt in die wirtschaftliche Einöde führt

Das Bruttoinlandprodukt ist eine heilige Kuh, die auf allen Weiden der Wirtschaftspolitik grast. Es beeinflusst Lohnverhandlungen, den Wert von Aktien, die Kreditvergabe (=Geldschöpfung); es beeinflusst die Veränderung von Rahmenbedingungen und es ist Basis von internationalen Verträgen. Aber wird es auch richtig gemessen? Da bestehen ernsthafte Zweifel.

Zum einen registriert es auch Werte für ein Plus, die zerstört und wieder ersetzt werden – der gerodete Urwald, die Gifte auf den Feldern, die Unfälle, die vernichteten Lebensmittel (vom Staat bezahlt), der kranke Mensch, der medizinische Behandlung braucht oder die afrikanische Frau, die von Muttermilch auf das industrielle Ersatzprodukt umsteigt.
Zum anderen misst es auch unnütze Produktion: teure Schiffe, die leer auf den Weltmeeren kreuzen, Rüstungsgüter oder Werbeartikel, die, kaum verteilt, bereits wieder im Müll landen (und dort Kosten verursachen).
Und schliesslich blendet es all die Werte aus, die für Geld gar nicht zu kaufen sind oder die ohne Entgelt geschaffen werden. Um dies zu korrigieren, verlangen viele Politiker, die vor allem von Frauen geleistete Gratis-Arbeit monetär zu bewerten. Die Idee ist verständlich, aber der Nutzen zweifelhaft. Unsere ganze Ökonomie basiert auf einer riesigen Allmende, der Mutter Erde im Jargon der spirituellen Ökologen. Luft, Wasser, Boden, Energie – alles liefert sie umsonst in schier unerschöpflicher Fülle. Alles, was wir brauchen ist da. Über dieses riesige Geschenk stülpt sich nun die Ökonomie und versucht, die Verarbeitung und Verteilung dieser Fülle über das Geld sinnvoll zu organisieren – und macht daraus einen Mangel. Es ist deshalb nicht empfehlenswert, immer mehr Teile der Fülle den Gesetzen des Mangels zu unterwerfen. Viel schlauer wäre es, die Allmende besser vor dem Zugriff des Geldes zu schützen. So weit sind wir allerdings noch nicht.

Die Berechnung des BIP hat drei grosse Mängel, wie Christopher Caseyin einem lesenswerten Beitrag für das amerikanische Cobden Center («für ehrliches Geld und gesellschaftlichen Fortschritt») schreibt1:
• Zwischenprodukte (z.B. Stahl) werden nicht erfasst, um eine doppelte Zählung zu vermeiden. Das erhöht die Bedeutung des Konsums überproportional.
• Regierungsausgaben werden generell als produktive Ausgaben gewertet
• Importe und Exporte werden saldiert. Das ist zwar nicht per se falsch, aber problematisch. Ein Land, das Güter für jeweils einen Euro importiert und exportiert, registriert denselben Beitrag zum BIP (nämlich null) wie ein Land, das für 100 Milliarden importiert und exportiert.

Dieser Beitrag wurde unter Behörden, Debatte, Uncategorized, Wachstum veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*