Griechenland: Es geht nicht mehr ums Geld

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Harald Schumann (rechts) und Andreas Zumach im Gespräch über Griechenland, die Troika und die Zukunft des Geldes

Bei den Sparauflagen an Griechenland geht es um Politik und nicht um Geld. Dies geht aus einem Gespräch hervor, das Andreas Zumach mit dem deutschen Journalisten, Filmemacher und Autor Harald Schumann am Dienstag im Zürcher Theater an der Winkelwiese führte. Harald Schumann befasst sich seit zwanzig Jahren mit Globalisierungs- und Finanzfragen, hat Bestseller dazu geschrieben (Die Globalisierungsfalle, 1996) und für seinen Film «Staatsgeheimnis Bankenrettung» 2013 den deutschen Fernsehpreis erhalten. Vor kurzem wurde auf arte und der ARD sein neuster Film «Macht ohne Kontrolle – die Troika» gezeigt. Der Film zeigt schlüssig, dass sich die Troika aus EU, Int. Währungsfonds und Europäischer Zentralbank im rechtsfreien Raum bewegt, ihre eigenen Statuten verletzt und demokratische Verfahren aushebelt.

Im Gespräch mit dem UNO-Korrespondenten Andreas Zumach, der die Veranstaltungsreihe «Politik am Stehtisch» des Theaters an der Winkelwiese moderiert, machte Harald Schumann deutlich, dass der griechische Staat und seine Bürger enorme wirtschaftliche Unregelmässigkeiten begingen, die in einem ordentlichen Staat nicht möglich gewesen wären. Aber die Ursache der griechischen Misere liegt darin, dass Griechenland zur Rettung seiner Kreditgeber in Frankreich und Deutschland einen Kredit erhielt, den es niemals hätte bekommen dürfen. Das höchst verschuldete Land erhielt den grössten Kredit der Wirtschaftsgeschichte. Auch nach den Standards des federführenden IWF war eine Rückzahlung aussichtslos.
Heute, nach vier Jahren auferzwungener Sparpolitik steckt Griechenland in der grössten Depression, die je ein Land in Friedenszeiten erlebte. Sein Bruttosozialprodukt sank um 26 Prozent, ein Drittel mehr als Deutschland in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre verlor (-18 Prozent).

Als Ursache dieser verfehlten Politik stellt Harald Schumann einen weit verbreiteten ökonomischen Analphabetismus bis weit in die wirtschaftlichen Eliten fest. Diese wollen namentlich die Bedeutung der Verteilungsfrage nicht wahrnehmen. Genausowenig wie Länder dauernd mit Defiziten leben können, sind auch ständige Überschüsse systemisch nicht zu verkraften. Ohne periodischen Ausgleich werden die Schuldner ihre Schulden nicht bezahlen und die Überschussproduzenten ihre Ausstände nicht eintreiben können.

Dieses Dilemma müsste der Politik und der Troika im speziellen natürlich bekannt sein. Somit stellt sich die Frage, warum die destruktive Sparpolitk trotzdem mit Zwangsmassnahmen fortgeführt wird. Hier kann man gemäss Harald Schumann nur spekulieren. Die ehemalige griechische Arbeitsministerin Loúka Katséli erklärte ihm, dass es bei den Massnahmen nicht mehr um das Eintreiben von Geld, sondern um die Durchsetzung einer bestimmten Politik ginge. Die Vermutung: Die griechische Regierung soll in die Knie gezwungen werden, bevor linke Bewegungen in Spanien (Podemos), Italien und anderen Ländern Oberhand gewinnen. Deswegen seien die griechischen Vorschläge, die auch von konservativen Ökonomen unterstützt worden seien, von den Gremien der EU und der Eurozone allesamt abgelehnt worden, die selber keinen einzigen konstruktiven Vorschlag machten, sondern nur auf den alten Vereinbarungen beharrten.

Fazit: Wenn die Probleme jetzt nicht mit einem teilweisen Schuldenerlass, einer Stundung oder einer Kombination davon gelöst werden, dürften sie schon bald mit umso grösserer Gewalt über Griechenland und den Euro hereinbrechen.

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