Geld ist Vertrauen, nichts anderes

In einem Text zur Frage «was ist Geld?» das Märchen von Münzen und Noten zu wiederholen, ist eine journalistische Sünde, die eine aufklärerische Zeitschrift wie der Beobachter nicht begehen dürfte. Rund 85 Prozent des umlaufendes Geldes werden heute unbar von den privaten Banken geschöpft, jedes Mal, wenn Sie einen Kredit verleihen. Sie reichen nicht das Geld der Sparer weiter – die behalten es nämlich – sondern schaffen durch eine einfache Buchung Geld. Der Vorgang wird von der Nationalbank in ihrer Broschüre «Die Nationalbank und das liebe Geld» bestätigt (S. 19).
Und vor der Einführung der ersten Münzen (ca. 500 v.Chr., zeitgleich aber unabhängig voneinander in Griechenland, Indien und China), herrschte selbstverständlich nicht der komplizierte Tauschhandel. Bezahlt wurde mit Kredit, und ausgeklügelte soziale und buchhalterische Systeme sorgten dafür, dass niemand zu sehr ins Minus geriet.
Kredit, also Vertrauen, ist die Grundwährung einer Volkswirtschaft, auch heute noch. Nur ist das Vertrauen zur Zeit auf einen historischen Tiefpunkt gesunken. Es ist verständlich, dass wir uns nach dem sicheren Wert Gold sehnen. Aber er ist trügerisch. Edelmetallwährungen, das hat David Graeber in seinem hochgelobten Werk «Schulden, die ersten 5000 Jahre» gezeigt, sind historisch immer mit Krieg, Sklaverei und Schuldknechtschaft verbunden. Es gibt für eine funktionierende Gesellschaft letztlich kein anderes Zahlungsmittel als Vertrauen. Und Vertrauen gibt es nur mit Gerechtigkeit. Alles andere führt früher oder später in ein Desaster.

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