Geldsystem: Die zehn Kernaussagen der Kritiker

Nicht immer, aber meistens werden die Werke der Geldkritiker von den grossen Verlagen abgelehnt, egal wie fundiert sie sind oder wie gross die wissenschaftliche Reputation ist. Deshalb dringen die vielen Zweifel nur vereinzelt an die Oberfläche.

Der Österreicher Manfred Gotthalmseder hat sich die Mühe genommen, die Geldkritiker auf einer Website (http://geldmitsystem.org/) zusammenzufassen, ihre Werke vorzustellen und eine interne Diskussion in Gang zu bringen. Die Liste umfasst zur Zeit 38 Fachleute aus Deutschland, Österreich und Schweden, darunter ein Drittel Akademiker und nur zwei Frauen.
Die Website ist noch jung, nicht ganz einfach in der Navigation und kann ihrem selbst gestellten Anspruch noch nicht genügen. Wichtige Abwesende sind zum Beispiel die Professoren Joseph Huber, Margrit Kennedy und Hans Christoph Binswanger.
Aber sie zeigt, dass Kritik am Geldwesen keine Sache von ein paar Aussenseitern ist, sondern sich auf ein breites Fachwissen abstützt.

Die 10 Kernaussagen, auf die sich die unabhängigen Experten geeinigt haben:

1) Die meisten Nationen dieser Welt stehen vor dem Problem einer anwachsenden
Vermögenskluft und steigender Schuldenberge.

2) Diese Phänomene haben ihren Ursprung weniger in wirtschaftlichem Fehlverhalten
oder verschwenderischer Politik, sondern resultieren vor allem aus dem nicht
nachhaltigen Aufbau unseres Geld- und Finanzsystems.

3) Geld wird heute über Kreditvergabe in das System eingebracht. Um Geld in Umlauf zu
halten, müssen die dabei entstehenden Schulden von den Banken durch stetige neue
Kreditvergabe aufrecht erhalten werden. Das Zinseszinsphänomen führt dabei zu einer
sich beschleunigenden Zunahme der Schuldlasten, die sich auf andere
Finanzprodukte überträgt.

4) Wir nehmen an, dass die Struktur des Geld- und Finanzsystems zur exponentiellen
Zunahme der Staatsschulden führt, wie sie in allen westlichen Nationen zu beobachten
ist (mit Ausnahme der Steueroasen und unter Berücksichtigung von Schwankungen
durch kriegsbedingte massive Geldschöpfung). Wäre Misswirtschaft die Ursache, so
müsste ein Auf und Ab, je nach Kompetenz der Regierungen zu beobachten sein, und
die Schwankungen dürften bestenfalls in der Höhe des Wirtschaftswachstums
zunehmen und es nicht weit übersteigen. Überdies ist zu klären warum Schulden von
Unternehmen und Privatleuten mit der gleichen Dynamik anwachsen, während das im
Finanzsektor befindliche Vermögen steigt.

5) Ein nachhaltig funktionierendes Wirtschaftssystem ist daher nur auf der Basis von
grundlegenden Veränderungen im Finanz- und Geldsystem vorstellbar.

6) Die Politik schafft die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Deshalb rufen wir unsere
politischen Entscheidungsträger auf, die wissenschaftliche Erforschung des
Geldsystems zu fördern um den Handlungsbedarf zu erkennen.

7) Der Entwicklung von Computermodellen zur Grundstruktur des Geld- und
Finanzwesens sollte ein annähernd hoher Forschungsetat zufliessen, wie der
Entwicklung von Klimamodellen, da das Wohl der Bürger in ebenso hohem Mass von
diesem von Menschenhand geschaffenen System abhängig ist.

8) Die Erforschung alternativer Modelle ist eine sozialpolitische Notwendigkeit, so lange
die Vermutung nicht entkräftet werden kann, dass die Ursache der weltweit steigenden
Vermögenskluft im Finanzsystem zu suchen ist.

9) Das Geld muss im Ursprung dem Volk gehören. Wenn ein System Gebühren auf das
in Umlauf befindliche Geld einfordert, so dürfen die Erträge daraus nur für das
Gemeinwohl verwendet werden.

10) Die breite Masse der Menschen geht heute von völlig falschen Annahmen darüber
aus, wie Banken agieren und wie Geld entsteht. Das Thema darf im Bildungssektor
nicht mehr weiter ausgeklammert werden. Ansonsten sind alle zukünftigen politischen
Massnahmen aufgrund des Unverständnisses von Seiten der Wähler zum Scheitern
verurteilt.

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