Meine Nationalratskandidatur befasst sich mit zwei Themen, die von den Parteien sträflich vernachlässigt werden, der Wiederherstellung der Verfassungsgrundlage unseres Geldes und der Entwicklung der Quartiere und Nachbarschaften zu echten Lebensräumen.
1. Unser Geld hat die Verfassungsgrundlage verloren – eine grosse Gefahr für Arbeit und Vermögen
Art. 99 unserer Bundesverfassung «Geld- und Währungspolitik» bestimmt in Absatz 1: «Das Geld- und Währungswesen ist Sache des Bundes; diesem allein steht das Recht zur Ausgabe von Münzen und Banknoten zu.»
Diese Bestimmung aus der Zeit der Barzahlung wurde im Verlaufe der Jahrzehnte von der technischen Entwicklung und den Regelungen für das Bank- und Geldwesen praktisch vollständig unterlaufen. Heute werden rund 85 Prozent der Geldmenge unbar von den privaten Banken geschöpft und als Kredit in Umlauf gebracht, mit gravierenden Konsequenzen für die Realwirtschaft. Der überwiegende Teil dieser Gelder fliesst nämlich nicht als Investition in die Realwirtschaft, sondern wird zur Finanzierung von Geldgeschäften mit Wertpapieren aller Art verwendet. Die attraktiven, aber virtuellen Profite der Finanzwirtschaft setzen die Realwirtschaft unter Druck: Um profitabel zu bleiben, muss sie immer effizienter produzieren, Löhne senken und schliesslich Arbeitsplätze in Billiglohnländer auslagern. Das schadet allen, die von realer Arbeit leben: der produzierenden Wirtschaft, den KMUs und ihren Angestellten, Selbständigen und uns als Konsumenten, deren Reallöhne sinken.
Zum Schutz des Schweizer Frankens vor Spekulation durch Hedgefonds muss allenfalls die Kapitalverkehrskontrolle verstärkt werden, wie dies zum Schutz der Anleger bei Schweizer Tochtergesellschaften gewisser ausländischer Banken bereits der Fall ist.
Im Nationalrat werde ich mich konsequent dafür einsetzen, dass nur noch die Nationalbank Geldmittel in Umlauf bringen darf und dass die Währungspolitik der Realwirtschaft dient.
Als Parteifreier bin ich unabhängig, stehe nicht im Sold einer Partei, die auch von Banken gesponsert wird und kann frei sagen, was Sache ist. Und die Sache ist die Wiederherstellung der Verfassungsmässigkeit unseres Geldes. Wir alle brauchen sicheres Geld.
2. Entwicklung lebenswerter Nachbarschaften – die grosse Chance für nachhaltige Lebensqualität
Wir wohnen hier, arbeiten dort, müssen zum Einkauf weg, zur Erholung, zur Begegnung, für die Kultur – das Wichtige im Leben scheint immer dort zu sein, wo wir nicht sind. Dieses zerstückelte Leben ist ungesund, psychisch anstrengend, verursacht hohe Kosten und zerstört die sozialen Bindungen.
Die Entwicklung lebenswerter Nachbarschaften ist deshalb von grösstem individuellem ud gesellschaftlichem Nutzen. Es ist aber auch eine komplexe Aufgabe, die nicht von Interessengruppen gelöst werden kann und deshalb von den Parteien vernachlässigt wird.
Funktionierende Nachbarschaften brauchen Orte der Begegnung und Erholung, Werkstätten, Einkaufsmöglichkeiten und ein dichtes Netz von Beziehungen. In Ökodörfern, das haben deutsche Studien ergeben, lebt es sich mit einem Drittel der Energie und mit weniger Platzbedarf wesentlich besser als in unseren zerrissenen, individualisierten Strukturen. Und: Die soziale Sicherheit ist bedeutend höher.
Die Belebung der Quartiere und Nachbarschaften erfordert die konstruktive Zusammenarbeit aller Betroffenen: Bewohner, Planerinnen, Hausbesitzer, Gewerblerinnen, Bauern (für die Versorgung) und vielen mehr.
Raumplanung ist zwar Domäne der Kantone. Aber im Nationalrat werde ich mich dafür einsetzen, dass der Bund klare Impulse setzt für eine umfassende Revitalisierung der Quartiere.
Wofür ich sonst noch stehe:
- Freiheit statt Ellbogenfreiheit: Das Streben nach Glück braucht die Freiheit zur Selbstentfaltung und die Verantwortung für das Gemeinwohl. Auf einer reichen Insel in einem Meer Armut kann kein Mensch glücklich sein. Als freiheitsliebender Mensch bedaure ich es sehr, dass die Freiheit im Neoliberalismus zur Ellbogenfreiheit verkommen ist. Wahre Freiheit respektiert die Freiheit zur Selbstentfaltung aller Lebensformen – der anderen Menschen, der Tiere und Pflanzen, der ganzen Kreatur.
- Direkte Demokratie entwickeln: Wer mit der Politik und den Parteien nicht zufrieden ist, soll sich selber konstruktiv einbringen, anstatt die Faust im Sack zu machen oder gar der Urne fernzubleiben. parteifrei.ch will dazu die Plattform aufbauen. Direkte Demokratie muss heissen: mitgestalten statt bloss abstimmen.
- Unabhängigkeit wahren: Die Schweiz als Demokratieweltmeister wird zunehmend bedroht von der weltweiten Herrschaft der Konzerne und der Finanzoligarchie. Wir brauchen mehr Mut und Kreativität, unsere Unabhängigkeit vor den Grossmächten zu schützen und die internationale Solidarität unter gleichgesinnten Ländern auszubauen.
- Rahmenbedingungen für ein einfaches Leben verbessern. Das heisst unter anderem: Langsamverkehr fördern, regionale Versorgung ausbauen oder Bauzonen für Ökodörfer einrichten für Menschen mit wenig Geld aber viel Zeit. Und: Solange Autofahrer Steuervorteile geniessen, sollen Autofreie ebenfalls honoriert werden.
- Zuwanderungsdruck an der Wurzel angehen: Wirtschaftsbeziehungen zu den Herkunftsländern der Immigranten gerechter gestalten. Wer sich in der Schweiz niederlassen will, muss Integrationsleistungen erbringen.
- Freiheit im Bildungswesen: Kinder, die wollen, lernen leichter als Schüler, die müssen. Die Schulen sollen nicht nur Köpfe bilden, sondern auch Hände und Herzen.
- Freier Strom für freie Bürger: Jedes Dach soll ein Solardach werden, Subventionsvorteile der grossen Stromkonzerne beseitigen. Förderung der Sonnenenergienutzung auch für Mieter. Nahziel: Ausstieg aus der Atomenergie und grösstmögliche Unabhängigkeit von Strom-, Öl- und Gasbaronen.
- Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleich, auch beim Militärdienst: Einführung eines für Männer und Frauen obligatorischen Dienstes an der Gesellschaft, wahlweise in der Armee, im öffentlichen Dienst oder einer Zivildienstorganisation.
- Gerechte Gesundheitsfinanzierung statt organisierte Verantwortungslosigkeit: Ein System, dessen Kosten wesentlich schneller steigen als sein Nutzen (in Form der Volksgesundheit), schadet letztlich allen. Das Krankenversicherungsgesetz muss Modelle erlauben, welche die Selbstverantwortung stärken und die Sicherheit erhalten.
Ich finde in allen Parteien unterstützenswerte Anliegen und sympathische Menschen, besonders wenn sie sich vertraulich äussern. Aber ich halte es für einen grossen Verlust an politischer Energie, wenn Volksvertreter die Parteiräson vor ihre eigene Überzeugung stellen müssen und die Wahrheit nur noch «unter uns gesagt» zum Ausdruck bringen.
Ich war je zwei Jahre Mitglied der freisinnig-demokratischen und der sozialdemokratischen Partei und politisierte fünf Jahre als Parteiloser im Gemeinderat von Bellach.
1994 war ich Mitinitiant und Koordinator des gescheiterten Referendums gegen die GATT-Verträge, dem bisher grössten Globalisierungsschub und ich bin Mitgründer von Neustart Schweiz, einem Verein zur Revitalisierung der Nachbarschaften.
Wer ich bin
Geboren 1954, bin ich Solothurn aufgewachsen, wo ich auch heute meinen Lebensmittelpunkt habe. Nach zwei abgebrochenen Studien (ein Jahr Medizin, zwei Jahre Jurisprudenz), bin ich seit 1979 als freier Journalist und seit 1988 als Verleger tätig. Um den Finanzbedarf der Familie mit heute fünf erwachsenen Söhnen (zwischen 22 und 31 Jahren) zu decken, führte ich in den 80er und 90er Jahren als Selbständiger eine Werbe- und PR-Agentur.
Seit 1992 bin ich Herausgeber des Zeitpunkt einer Zweimonatszeitschrift «für intelligente Optimistinnen und konstruktive Skeptiker». Als solcher veröffentlichte ich zahlreiche Beiträge über die Ungleichgewichte im Geldwesen und warnte vor den bedrohlichen Konsequenzen lange bevor es zum guten Ton gehörte, ein früher Warner zu sein.
Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen. Meist sind es Menschen, die sich weder in ein weltanschauliches Korsett noch in eine Parteihierarchie zwängen lassen. Aber sie arbeiten für den Konsens statt den Konflikt und sie können Entscheidendes zum Allgemeinwohl beitragen. Diesen Menschen möchte ich mit meiner Kandidatur eine Bresche schlagen.
Natürlich kenne ich auch den Misserfolg: Ich bin als Immobilienunternehmer gescheitert, als Ehepartner auch und als alleinerziehender Vater in ein Burn-out geraten. Aber ich habe den Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren. Und ich bin überzeugt, dass die Förderung des Guten mehr bringt als die Bekämpfung des Schlechten.
Meine Kandidatur ist nicht ganz freiwillig. Aber als Mitbegründer von parteifrei.ch konnte ich nicht zurückstehen und nehme diese Kandidatur nun ernst. Das heisst: Ich will gewählt werden. Damit verbunden ist die Pflicht, mich als Person ins Licht zu stellen, was mir grundsätzlich nicht sehr genehm ist. Aber es gehört einfach dazu.
Aus diesem Grund bin ich sehr dankbar, wenn Sie diese Kandidatur unterstützen. Sie ist die schweizweit deutlichste Forderung für ein verfassungsmässiges, sicheres Geld – ein Anliegen, dessen Zeit gekommen ist.
Kontakt:
Christoph Pfluger, Werkhofstrasse 19, 4500 Solothurn, Tel. 032 621 81 12, christoph.pfluger(at)zeitpunkt.ch